Erlass des Landesschulamtes vom 28.04.2020

Merseburg am 05.05.2020

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

der Erlass des Landesschulamtes vom 28.04.2020 ist in Kraft und regelt, nach der momentanen Lage, wie es mit Unterricht und Schule ganz allgemein bis zum Ende dieses Schuljahres weitergehen soll. Der Begriff „Regel“ ist dabei als sehr relativ zu betrachten. Es werden in vielen Teilen Rahmenbedingungen vorgegeben, die dann von den einzelnen Schulen je nach Situation mit Leben erfüllt werden sollen. Dabei standen und stehen vor den Schulleitungen und vor jeder einzelnen Kollegin und jedem einzelnen Kollegen bisher noch ungeahnte Herausforderungen. Der Philologenverband von Sachsen-Anhalt sieht seine Aufgabe besonders jetzt auch darin, seine Mitglieder zu beraten und vor Überlastung zu bewahren. Natürlich ist in der Corona-Krise das Engagement jedes Einzelnen gefordert, aber die Anforderungen müssen auch im Sinne der Schüler im vernünftigen Rahmen bleiben.
An oberster Stelle steht nach wie vor der Schutz aller Schüler, Lehrer und aller in der Schule Beschäftigten vor der Ansteckung oder Verbreitung des Corona-Virus. Alles Notwendige regeln diverse Verordnungen und Erlasse.

Jeder Einzelne sollte sich um den Schutz der Gesundheit bemühen und Schwachstellen im System sofort kenntlich machen, damit Abhilfe geschaffen werden kann. Besonderes Augenmerk gilt den Angehörigen von Risikogruppen, hier sind auch Schulleiterinnen, Schulleiter und Personalräte gefragt.
Mit dem gestrigen Tag sind auch wieder die 11. Klassen in unseren Gymnasien präsent. Dass dieser Einstieg mit dem Beginn der ersten Abiturrunde zusammenfällt, ist sicher gewollt, da man von freiwerdenden Kapazitäten im Lehrerbereich ausgeht, denn der Unterricht oder die Beratungen für die 12. Klassen entfallen. Dieser Gewinn an Lehrerstunden ist trügerisch. Durch den erhöhten Aufwand durch die notwendige Teilung zu großer Prüfungsgruppen werden zahlenmäßig mehr Kollegen zur Aufsicht benötigt. In der Phase der sich anschließenden Erstkorrektur ergeben sich ebenfalls keine Entlastungen für die Lehrkräfte. Dazu kommt dann noch die zweite Runde der Abiturprüfungen, die weitere Belastungen bringt. Unsere Einstellung zur Zweitkorrektur haben wir schon im letzten Mitgliederbrief dargelegt. Daran hat sich auch prinzipiell nichts geändert. Überlegenswert wäre besonders für die Klassestufe 11, die sich ja schon im Abiturverfahren 2021 befindet, ob sinnvolle Veränderungen bei den Kern-, Profil- und Wahlfächern sowohl bei den Stundenzahlen als auch bei den Besetzungen mit Fachlehrern möglich wäre. Damit könnte man eventuell garantieren, dass alle Schülerinnen und Schüler dieser Jahrgangsstufe an jedem Unterrichtstag in der Schule präsent sein würden. Viele Berichte zeigen, dass „homeschooling“ nur bedingt erfolgreich ist und bis zu 25% weniger Lehrerfolge nach sich zieht. An dieser Stelle zeigen sich auch deutliche soziale Ungerechtigkeiten, die vielfältige Ursachen haben. Verbindliche Aussagen sind auch in Bezug auf den Leistungsbewertungserlass für die 11. Klassen gefordert. Es ist anzunehmen, dass neben dem eigentlichen Unterricht kaum noch Zeit für die geforderte Anzahl von Klausuren bleibt. Ganz nebenbei bringt eine Leistungsüberprüfung keinen Zuwachs an Wissen und Können, die ja gerade für die anstehenden nächsten Kurshalbjahre unabkömmliche Voraussetzung sind. Sicher sind die Fachlehrerinnen und Fachlehrer in der Lage, begründete Einschätzungen der Leistungen ihrer Schüler zu geben. Auf diesem Wege sollte eine Bewertung der Kurshalbjahresleistungen erfolgen, die auch ohne Klausuren als gleichwertig anerkannt werden. Damit ist der Übergang in das Kurshalbjahr 12/1 geebnet.
Der Leistungsbewertungserlass sollte auch für alle anderen Klassenstufen auf den Prüfstand, bis hin zu einem generellen Verzicht auf die Entscheidungen zur Nichtversetzung. In anderen Bundesländern gibt es solche Regelungen, wir sollten an dieser Stelle keinen Sonderweg gehen. Dies erspart unnötigen Ärger, eventuell sogar Klagen. Natürlich wird es auch extreme Einzelfälle geben, in denen eine Versetzung mehr als fragwürdig wird. Hier sollte man das Beratungsgespräch mit den Eltern suchen, denn gegen ein freiwilliges Wiederholen eines Schuljahrgangs spricht nichts.
Bei den geplanten Vorhaben während der Pfingstferien müssen die bestätigten Urlaubspläne der Kolleginnen und Kollegen, die ja nicht außer Kraft gesetzt wurden, natürlich berücksichtigt werden. Hier gelten nach wie vor die tarif- und arbeitsrechtlichen Bestimmungen. Aber auch viele Kolleginnen und Kollegen haben diese Zeit zur Korrektur, auch schon zur Zweitkorrektur eingeplant. Angebote und Einsätze sollten daher unbedingt mit den Personalräten der Schule abgestimmt werden. Bei Diskrepanzen kann man die Hilfe der Bezirkspersonalräte oder des Landespersonalrates in Anspruch nehmen.
Die organisatorischen und inhaltlichen Probleme werden sich nach den Pfingstferien noch einmal deutlich verschärfen, wenn wieder alle Jahrgangsstufen, wenn auch nur teilweise, in der Schule präsent sind. Bei der Einhaltung der bisher geltenden Abstandsregelungen macht sich häufig eine Drittelung der Klassen notwendig. Neben dem Präsenzunterricht werden dann fast alle Lehrerinnen und Lehrer auch noch im Fernunterricht gefordert sein, ohne dass sich bis dahin an der Ausstattung mit digitalen Lernmitteln etwas Grundlegendes geändert hat. Wir empfehlen deshalb den Unterricht in A und B Wochen aufzugliedern und sprechen uns gegen Parallelunterricht aus. Besonders in den Klassen der Sekundarstufe I wird das aber kein Unterricht in der gewohnten Form sein. Der Präsenzunterricht wird den Fernunterricht vorbereiten, auswerten und ganz bestimmte Schwerpunkte klären. Die Stofferarbeitung und Übungsphasen werden hautsächlich zu Hause erfolgen. Die verbleibenden sechs Wochen sollten effektiv für die konkrete Arbeit mit den Schülern vor Ort, in welcher Form auch immer, genutzt werden, denn mit dem Ende des jetzigen Schuljahres ist die Schullaufbahn der wenigsten Schüler auch zu Ende. Es gibt ein neues Schuljahr und der Start in dieses muss optimal vorbereitet werden.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, bleiben Sie gesund und voller Elan und pädagogischem Optimismus. Der Philologenverband von Sachsen-Anhalt wird Ihre Interessen vertreten und Ihr Ansprechpartner sein.

Mit freundlichen Grüßen
Geschäftsführender Vorstand des
Philologenverbandes von Sachsen-Anhalt