Matheabitur 2020

oder überall nur Dankbarkeit

Dieter Schröder
Domgymnasium Naumburg

Mein ganz persönlicher Dank gilt allen denen, die in den letzten drei Jahren für die Aufgaben der schriftlichen Abiturprüfung im Fach Mathematik verantwortlich waren.

Hier sind wir genau auf dem richtigen Weg alle Schüler davon abzuhalten, Mathematik als schriftliches Prüfungsfach zu wählen. Das spricht ja für eine gehörige Abnahme des Zeitaufwandes für die Korrektur und somit für einen erheblichen Gewinn an Freizeit bei den Mathematiklehrern.
Dafür geht mein Dank an alle Verantwortlichen.

Weiterhin bieten wir den Medien und dabei vor allem den Tageszeitungen wieder Themen, die einen größeren Teil der abnehmenden Leserschaft interessieren und zu Diskussionen anregt. Ich denke, auch hier ernten die Verantwortlichen Dankbarkeit.
In einigen Jahren ist dann auch wieder eine neue Generation herangewachsen, die in Talkshows und anderen öffentlichen Auftritten als großen Verdienst schildern kann, dass sie in der Schule mit Mathematik nichts am Hut hatte und trotzdem im weiteren Leben erfolgreich wurde.

Auch solche interessanten Vertreter des modernen Lebens sind sicher dankbar, ein allgemeines Klischee bedienen zu können.

Bei so viel zu erwartender Dankbarkeit spielt es sicher keine Rolle, dass ein ganz normaler Schüler, der über Jahre fleißig gelernt und gearbeitet hat, für seine Abiturarbeit kaum eine Chance auf eine Note im mittleren Bereich der Benotungsskale hat.

Sicher ist das Argument, dass jede Aufgabe für sich lösbar und mit dem Lehrplan konform ist, berechtigt. Aber die Menge der Aufgaben, die einen Schüler hier mit voller Wucht der Mathematik trifft, zerstört schon kurz nach Beginn der Arbeitszeit den Elan der Schüler. Allein an Aufgabentext sind im Leistungskurs 7 Seiten und im Grundkurs 6 Seiten zu bewältigen. Zum Vergleich: Vor einigen Jahren waren es noch 4 Seiten. Dann ist die Seitenanzahl kontinuierlich erst auf 5 und mittlerweile eben auf 7 Seiten nur für die Aufgabenstellungen gestiegen.

Aber sicher ist hier auch mit der Dankbarkeit der Papier- und der Druckindustrie zu rechnen.

Keine Sorgen um ihre Abiturergebnisse müssen sich meine Kollegen der anderen Fachbereiche machen. Sie wissen ja: Die Mathematikergebnisse sind bestimmt viel schlechter als die Ergebnisse ihres Fachs. Also ist auch hier wieder Dankbarkeit zu erwarten.

Da genau diese Entwicklung konsequent in den letzten Jahren verfolgt wird, ist von einer Unbeirrbarkeit der Prüfungskommission auszugehen. Auch für diese Haltung verdienen die Mitglieder große Dankbarkeit. Die weitere Zukunft ist klar vorhersehbar.

Weiterhin kann man allen Mathematiklehrern, die an den Gymnasien unseres Bundeslandes keine Eliteschüler unterrichten, Versagen vorwerfen. Das ist sicherlich neues Wasser auf die Mühlen der allgegenwärtigen Lehrerhasser. Womit auch diese zur oben erwähnten Dankbarkeit verpflichtet werden.

Zuletzt möchte ich hier den sicheren Dank all der Schüler nennen, die fleißig an der Vorbereitung auf das Abitur gearbeitet haben. Denn sie wissen nun, dass sie dabei alles falsch gemacht haben. Diese Erkenntnis ist auch wichtig für ihre weitere Entwicklung.

 

Also kann ich nur immer wieder Dank sagen.