Minister Riedel in der Landespressekonferenz (14.04.2026)

Inhalte:

  • Rückblick und aktuelle Lage der Unterrichtsversorgung
  • Bedeutung der freiwilligen Zusatzstunden und Teilzeitanpassungen
  • Demografische Entwicklung und Lehrkräfteprognose
  • Ungleichverteilung des Arbeitsvermögens zwischen Schulformen
  • Regionalkonferenzen und Steuerung durch das Landesschulamt
  • Maßnahmenpaket für die kommenden Schuljahre
  • Neue Altersabminderung
  • Reform der Seiteneinsteiger‑Qualifizierung
  • Fortführung des flexiblen Personalbudgets
  • Ausbau der Praxislerntage
  • Perspektive für Lehramtsstudierende und Nachwuchsgewinnung
  • Gesamtbotschaft an Schulen und Lehrkräfte

 Rückblick und aktuelle Lage der Unterrichtsversorgung

Minister Riedel beginnt mit einem Rückblick auf die Situation seit dem Wegfall der verpflichtenden Vorgriffsstunde im September des Vorjahres. Dieser Wegfall bedeutete, dass über 10.000 Unterrichtsstunden pro Woche kompensiert werden mussten. Er betont, dass dies nur durch die freiwillige Bereitschaft der Lehrkräfte gelang, zusätzliche Stunden zu übernehmen oder Teilzeitmodelle anzupassen.

Er hebt hervor:

  • Die Unterrichtsversorgung im laufenden Schuljahr konnte stabil gehalten werden.
  • Die Lehrkräfte haben im Schuljahr 2024/25 nahezu eine Million Überstunden geleistet.
  • Diese Leistung sei ein Ausdruck großer Verantwortung und Loyalität gegenüber den Schülerinnen und Schülern.

 Bedeutung der freiwilligen Zusatzstunden und Teilzeitanpassungen

Für das kommende Schuljahr 2026/27 bleibt die Lage angespannt. Minister Riedel macht deutlich:

  • Die Unterrichtsversorgung wird weiterhin stark davon abhängen, ob Lehrkräfte freiwillig Zusatzstunden übernehmen.
  • Schulleitungen werden per Schulleiterbrief aufgefordert, diese Stunden gezielt dort zu akquirieren, wo der Bedarf am größten ist.
  • Die freiwillige Zusatzstunde sei zielgenauer als die frühere Vorgriffsstunde, weil sie nur dort eingesetzt wird, wo tatsächlich Bedarf besteht.

Er formuliert einen deutlichen Appell an die Lehrkräfte, diese Unterstützung fortzuführen.

Demografische Entwicklung und Lehrkräfteprognose

Minister Riedel erläutert die neue Prognose:

  • Die Schülerzahlen beginnen erstmals seit Jahren zu sinken, zunächst in den Grundschulen.
  • Dieser Rückgang wird sich in den kommenden Jahren auf weiterführende Schulen ausweiten.
  • Dadurch wird die Versorgungslage früher als erwartet entspannter – bereits Ende der 2020er Jahre, nicht erst Mitte der 2030er.
  • Dennoch stehen 2–3 sehr harte Jahre bevor, die er als „Tal der Tränen“ bezeichnet.

Er betont, dass diese Perspektive Hoffnung geben soll, aber die kurzfristigen Herausforderungen nicht mindert.

 Ungleichverteilung des Arbeitsvermögens zwischen Schulformen

Ein zentrales Problem:

  • Gymnasien und einige andere Schulformen haben oft über 100 % Unterrichtsversorgung.
  • Gleichzeitig gibt es Sekundar‑, Gemeinschafts‑ und Förderschulen mit massiven Engpässen.
  • Diese Ungleichverteilung sei nicht akzeptabel, da Abschlussklassen besonders geschützt werden müssen.

Minister Riedel fordert Lehrkräfte ausdrücklich auf, über den Tellerrand der eigenen Schule hinauszublicken und ggf. stundenweise an schlechter versorgten Schulen auszuhelfen.

 Regionalkonferenzen und Steuerung durch das Landesschulamt

Um die Ungleichverteilung zu beheben:

  • Das Landesschulamt wird regionale schulformübergreifende Konferenzen durchführen.
  • Ziel: eine gerechtere Verteilung des Arbeitsvermögens für das kommende Schuljahr.
  • Diese Steuerung soll sicherstellen, dass besonders Abschlussklassen verlässlich unterrichtet werden können.

 Maßnahmenpaket für die kommenden Schuljahre

Neue Altersabminderung

Minister Riedel beschreibt die Altersstruktur der Lehrkräfte als „Bäumchen“: schmale Jahrgänge unten, breite Jahrgänge kurz vor dem Ruhestand.

Um ältere Lehrkräfte zu entlasten:

  • ab 60 Jahren: 1 Stunde weniger
  • ab 62 Jahren: 2 Stunden weniger
  • ab 65 Jahren: 3 Stunden weniger
  • ohne Ausgleichsarbeit (wichtiges Signal)

Diese Maßnahme soll die Arbeitsfähigkeit älterer Lehrkräfte erhalten und die Abwanderung reduzieren.

Reform der Seiteneinsteiger‑Qualifizierung

Seit 1. April gilt ein neues Modell:

  • Ein zentraler Qualifizierungstag pro Woche am Landesinstitut.
  • Einheitliche, planbare Struktur statt vieler verstreuter Angebote.
  • Ziel: Seiteneinsteiger besser binden und qualitativ stärken, besonders an Sekundar‑, Gemeinschafts‑ und Berufsschulen.

Fortführung des flexiblen Personalbudgets

  • Das Budget wurde im laufenden Schuljahr stark genutzt und musste nachträglich aufgestockt werden.
  • Schulen können damit Ausfälle kompensieren, z. B. durch Projekte, Betreuung, Förderangebote.
  • Diese Möglichkeit wird auch im kommenden Schuljahr bestehen.

Ausbau der Praxislerntage

  • Ziel: Praxislerntage an allen Sekundar‑ und Gemeinschaftsschulen.
  • Ein Letter of Intent mit den Kammern wird vorbereitet.
  • 60 Schulen sind bereits dabei.
  • Nutzen:
  • Stärkung der Berufsorientierung
  • Entlastung der Schulen durch externe Partner
  • Motivation der Schülerinnen und Schüler

 Perspektive für Lehramtsstudierende und Nachwuchsgewinnung

Minister Riedel betont:

  • Trotz sinkender Schülerzahlen werden weiterhin Lehrkräfte gebraucht, da viele ältere Kolleginnen und Kollegen ausscheiden.
  • Lehramtsstudierende sollen sich nicht verunsichern lassen.
  • Die Zahl der Studienanfänger (derzeit 1200) wird langfristig angepasst werden müssen, aber der Bedarf bleibt bestehen.
  • Gute Ausbildung bleibt zentral.

 Botschaft an Schulen und Lehrkräfte

Minister Riedel schließt mit einer deutlichen Wertschätzung:

  • Lehrkräfte arbeiten unter hohem Druck und großer Belastung.
  • Das System funktioniere nur durch ihr Engagement.
  • Die kommenden Jahre bleiben herausfordernd, aber es gebe Licht am Horizont.
  • Mit den Maßnahmen und der freiwilligen Unterstützung der Lehrkräfte könne das Land die schwierige Phase überbrücken.

 

Minister Riedel in der Landespressekonferenz (14.04.2026)
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